Interview (stark abgekürzte Version) vom Montag, 10. August mit Philipp Grossenbacher, Platzverantwortlicher (neuenglisch, und in diesem Fall wörtlich zu nehmen, «Greenkeeper») der Sport- und Freizeitanlage Widenbad. Wer das ungeschnittene Live-Interview mit dem «Rasengott» anhören möchte, bitte HIER klicken (bitte entschuldigt zum Teil die Tonstörungen).
Lieber Philipp, herzlichen Dank für deine spontane Zusage für dieses Interview. Der Grund für dieses Spontaninterview ist die aktuelle Hitze und die damit verbundene Trockenheit und Wassermangel. An sehr vielen Orten rundherum ist es eher braun, u.a. zu sehen bei den Schulwiesen (Bsp. Hasenacker, wo beim Frühlingscamp unserer jüngsten Junior:innen noch fantastisches Grün dominierte). Hier sind sämtliche Rasenplätze grün, wie machst du das?
«Ich bin wetterabhängig, bin bei der Hitze sehr froh, dass ich ein Plätzchen finde wo es mal schattig ist, wo ich mich zurückziehen kann. Spätestens auf dem Kunstrasen merkt man die brutale Hitze welche aktuell herrscht. Auf dem Naturrasen ist das Klima angenehmer, weil man Erde hat, welche die Hitze speichert und etwas Kühle abgibt. Der Boden unter dem Rasen nimmt (Spritz-)Wasser auf und speichert es. Das Gras lebt, nimmt wärme auf und wächst. Zugleich kann so ein Blatt auch schwitzen und damit Feuchtigkeit abgeben und sich selbst abkühlen.
Was nicht nur uns, sondern auch dem Rasen guttut, ist «Wellness». Ich bewässere den Rasen auch mal am Nachmittag, wenn es extrem heiss ist, um dem Rasen den Stress wegzunehmen. Gleichzeitig behalte ich den Boden feucht und brauche damit auch allgemein weniger Wasser. Wichtig dabei ist, dass man 1- bis 2-mal die Woche genügend Wasser (20 Liter pro Quadratmeter) gibt, dass das Wasser auch tief in den Boden versinkt. Anderseits lass ich den Rasen auch mal gerne «Dursten» lassen. Die Wurzeln müssen damit tiefer gehen,um Wasser zu beziehen. Dies ist der Grund, warum die Plätze grün sind.»
Aha, das ist Dein Geheimnis. Das richtige Rezept finden zwischen wann und wieviel Wasser geben. Sehr spannend zu hören und gewisse Ähnlichkeiten zu uns privaten Gärtner.
«Genau, man darf den Rasen nicht zu stark verwöhnen!»
Gibt es unbegrenzt Wasser oder hast Du von der Gemeinde ein gewisses Wasserkontigent?
«Momentan habe ich noch keine Wassersperre. Mir ist jedoch ein grosses Anliegen, dass ich haushälterisch mit dem Wasser umgehe. Dabei helfen auch unsere zwei grossen 122’000 Liter-Wassertanks unter dem Boden als Speicherung. Normalerweise kann ich damit «spielen» und sparsamer umgehen. Aktuell kommt jedoch kein Wasser von oben, wir beziehen also unser Spritzwasser vom Zürichsee. Deshalb ist es noch einmal wichtig, dass ich sparsam mit unserem Wasser umgehe.»
Einverstanden, wir müssen mit diesem (in Zukunft rarem) wertvollen Gut vernünftig umgehen. Möchte Dir auch im Namen des FCM ein riesiges Kompliment aussprechen, da Du die Anlage, auch ausserhalb der Rasenplätze, immer sehr schön haltest und man sieht, dass dies Dein zweites Daheim ist! Was hat man mit Platz 3 gemacht, nachdem im Herbst «Stauwasser» auf der Oberfläche liegen geblieben ist, zum Teil Spiele absagen musste und das Geläuf ziemlich schlimm aussah?
«Auch ich musste Lehrgeld zahlen und zuerst begreifen, was die Ursache war. Die Hauptursache war, dass man einen Rasenteppich verlegte und relativ kurz darauf spielte. Der Rasenteppich konnte damit nicht genügend an den Untergrund anwurzeln. Der schon dichte Teppich nahm durchs Spielen Feinanteile auf und wurde damit noch dichter und konnte das Wasser nicht richtig durchlassen. Deshalb bildete sich oberflächlich Schlamm. Im Herbst sperrte man den Platz, um ihm Erholungszeit zu geben. Bei erster Gelegenheit konnte ich den Rasen Aerifizieren (mit speziellen Hohlspoons wurden Löcher gestanzt und Material aus rund 15 Zentimeter Tiefe herausgeholt). Danach lief das Wasser wieder sauber ab. Anschliessend musste in den Rasen wieder aus ebnen und nachsähen. Dies ist wichtig, dass sich der Rasen erneuern kann und dicht wird. Dies braucht seine Zeit. Genauso wie bei uns Menschen, sind auch Vitamine und Mineralien wichtig für den Rasen. Das macht das Grün auch Widerstandsfähiger, kräftiger und mag mehr leiden.»
War kurz vor dem Interview auf dem Rasen, kann nur bestätigen, dass dieser sehr dicht ist. Die Meisterschaft geht bald los, die Mannschaften können sich also freuen. Wichtig ist jedoch zu erwähnten, und dies ist ein wichtiges Anliegen von Philipp, dass die Trainer den Platz besser ausnutzen und nicht immer im gleichen Bereich trainiert wird, so dass die Plätze gleichmässiger beansprucht werden!
Ganz frisch ist den neue Platz 1, welcher vor kurzem vom Verband abgenommen wurde. Was ist anders gegenüber Platz 3?
«Platz 1 wurde angesät, man hatte auch genügend Zeit dafür. Relevant waren jedoch die massiv tieferen Kosten gegenüber einem Rollrasen, der rund CHF 150’000 kostet. Auch so ein Rasen, welcher normal anwächst, mit genügend Wasser und Nährstoffe versorgt wird, schön wächst und dicht wird. Mit Dünger und regelmässigem Mähen kann man dies Beschleunigen. Das Wasser auf Platz 1 läuft oberflächlich besser ab, hat aber den Nachteil, dass gerade bei dieser Hitze mehr gewässert werden muss.»
In eins bis zwei Wochen finden die ersten Meisterschafts- und Cupspiele statt. Die Plätze sind also «ready». Ein leidiges Thema ist der Kunstrasen. Was wird jetzt noch an der Anlage gemacht?
«In den nächsten paar Monaten wird der Holzbau auf dem Garderobengebäude fertig gestellt, aber wann dieses benutzt werden kann weiss ich auch nicht. Betreffend Kunstrasen ist die Bevölkerung gefordert, um an der Gemeindeversammlung vom 28. September (Fett im Kalender eintragen!) für die Fertigstellung der Anlage zuzustimmen. Es wäre eine mega Entlastung, vor allem für den Winter, um die Rasenplätze zu schonen.»
Das hoffen wir alle! Wie sieht Deine persönliche Prognose aus, wann dieser Kunstrasen fertig gestellt und bespielbar ist?
«Wenn die Bevölkerung dem Kredit zustimmt, kann es sehr schnell gehen und sollte im Frühling/Sommer 2027 ready sein.»
Wow, das wäre toll, persönlich wäre ich froh, wenn der neue KR im Herbst/Winter zur Verfügung steht. Vielen Dank Philipp für das Interview. Hast Du zum Schluss noch eine wichtige «Message» an uns Trainer:innen/Spieler:innen?
«Mir ist wichtig das eine Fairness bewahrt wird, wir anständig miteinander umgehen und Entscheidungen akzeptiert, auch wenn es gerade nicht passt. Wenn eine Zone abgesperrt ist, sollte diese auch abgesperrt bleiben und nicht fürs Training kurz geöffnet und nach dem Training wieder abgesperrt werden! Ansonsten habe ich ein gutes Gefühl, es gefällt mir hier sehr gut und habe Freude an den Rasenplätzen. Hoffe, dass darauf erfolgreich gespielt wird.»
Auch ich appelliere an meine Trainerkolleg:innen, dass wir ALLE Instruktionen vom Platzwart respektiert. Philipp ist oft sehr generös, was die Benutzung der Plätze angeht.
Vielen Dank Philipp für dieses Interview und schönen Abend!
Interview geführt von Pascal Hotz (Sekretariat FC Männedorf)

Bildunterschriften: Philipp Grossenbacher / Tiefe Graswurzeln / Bewässerungs-Steuergerät mit Timerfunktion / Schulwiese Hasenacker, Männedorf






