Die Interview-Serie mit Persönlichkeiten vom FC Männedorf geht auch 2026 in die nächste Runde. Der Start macht Hansueli Ehrismann, langjähriges (Vorstands-)Mitglied beim FCM. HUE stellte sich am 25. März 2026 den Fragen von Pascal Hotz stellt. Das ausführliche Interview kann hier/Audio abgehört werden.
Schöne guete Morge Hansueli, merci viel-x, dass Du Dir Zeit für das spontane Interview nimmst. Du bist zwar ein sehr langjähriges Mitglied beim FC Männedorf, aber trotzdem kennen Dich vermutlich die wenigsten Mitglieder, da Du oft im Hintergrund agiert hast. Dies wollen wir nun ändern, deshalb meine immer gleiche Einstiegsfrage: Wer bist Du?
«Guete Morge, ich bin Hansueli Ehrismann, verheiratet, 76-jährig, habe vier Kinder (3 Mädchen und 1 Sohn) und wohne seit 43 Jahre in Männedorf.»
Du wurdest an der letzten GV im Februar dieses Jahres nach sehr langer Tätigkeit im Vorstand, gebührend verabschiedet. Ein Vorstandsmitglied des FVRZ hat sich die Zeit genommen, Dich zu Ehren. 3 Fragen dazu: Wie lange warst Du im Vorstand, was waren Deine Hauptaufgaben und wie hast Du Deinen offiziell letzten Vorstandstag erlebt?
«Weiss gar nicht mehr, wann genau ich in Vorstand gekommen bin, war zu Zeiten von Röbi Rathkolb (als Präsident). War zuerst Beisitzer, später durfte ich die Juniorinnen-Abteilung inkl. Frauen aufbauen. Beim FC bin ich seit ungefähr 1989. Ich bin durch meine Tochter (Sabrina), welche unbedingt «tschutten» wollte, zum FC Männedorf gekommen. Hatte selbst auch Fussball gespielt, und so hat es sich ergeben. Die Vorstandstätigkeit habe ich, auch dank tollem Team, als sehr gut empfunden. Jetzt ist die Zeit gekommen, auch altersbedingt, an jüngere zu übergeben. Ich bin immer noch in der Baukommission für den Sportplatz Widenbad tätig und werde bis zur Fertigstellung drinbleiben. An der GV habe ich zugegebenermassen mit den Tränen gekämpft. Vor allem habe ich nicht erwartet, dass ich gleich als Ehrenmitglied geehrt werde. Auch die Tatsache, dass vom Verband extra jemand gekommen ist, vor allem ein Kollege, welcher ich seit 30 Jahren kenne, hat mich «geschüttelt».
Das sind eben die Momente, welche bleiben und Du hast die Ehrung war absolut gerechtfertigt! Davor hast Du ja auch verschiedene Funktionen beim FCM innegehabt. Was waren das genau für Tätigkeiten und warst Du selbst auch Aktivfussballer?
«Ich spielte in verschiedenen Vereinen, u.A. in Höngg und Horgen in der 2. Liga. Im Senioren- & Veteranen-Alter kam ich zum FC Männedorf, wo ich ein paar Jahre als Spieler und Torwart agierte. Das war eine sehr schöne Zeit. Als meine Tochter unbedingt Fussball spielen wollte, übernahm ich den Trainerjob bei den Junioren, da es noch keine Mädchenmannschaft gab. Später übernahm ich die Verantwortung fürs j+s (Jugend + Sport), bis ich zuletzt im Vorstand landete». Als Aktivfussballer habe ich mit ca. 50 Jahren aufgehört, als ich merkte, dass ich vor jedem Training und Matsch alles eincremen musste. Das wollte ich mir nicht mehr antun. Gestartet habe ich bei den C-Junioren, eine frühere Alterskategorie gab es damals gar nicht. Fussball habe ich seither immer gespielt, u.a. mehrere Jahre bei der UBS (Firmenfussball). Die Auslandreisen waren immer ein Erlebnis und ohne Fussball fehlt mir einiges!»
Was waren in all den Jahren so Deine «Highlights», und sicher auch das eine oder andere, hoffentlich seltene, «Lowlights»
«Das absolute Highlight war als technischer Leiter Frauen/Juniorinnen der Regional-Cupfinalsieg unserer B-Juniorinnen auf dem Widenbad (2:0 gegen Wädenswil) und im gleichen Jahr auch im Final des Schweizer Cup standen. Das alles war im Jahr 2022. Ein weiteres Highlight war die Gründung des ZSU (Zürichsee United), wo ich eines der Gründungsmitglieder zusammen mit den Vereinen Herrliberg, Meilen, Stäfa und Männedorf war und im Jahr 2021 das 10-jährige Jubiläum feiern durften. Weniger schön ist die aktuelle Situation beim ZSU, wo ab diesem Sommer nur noch Stäfa und Männedorf die ZSU bilden. Das gibt eine neue Ausrichtung, freue mich aber darauf»
Meines Wissens hast Du dich noch nicht 100%ig vom FC abgenabelt. Der Neubau der Freizeitanlage Widenbad begleitest Du schon seit mehreren Jahren. Was kannst Du darüber erzählen und was ist gerader der aktuelle Status beim Projekt?
«Schwierig, wir sind ja schon seit Jahrzenten daran. Begonnen hat alles mit dem kleinen Kunstrasen, da es keinen Platz für einen grossen Platz gab. Später wurde uns seitens Gemeinde der grosse Kunstrasenplatz versprochen, mit der Idee den Sandplatz umzubauen. Dies wurde verworfen bis die Idee auftauchte ein Gesamtkonzept anzustreben. Ich war sehr überzeugt von diesem Projekt. Wir hatten auf Grund «mehr Wasser» Probleme mit dem Platz 3, warum dies falsch berechnet wurde entzieht sich meinen Kenntnissen. Nun wollte man den Kunstrasenplatz forcieren, wobei hier Probleme mit dem Boden auftauchten (und einen aktuellen Unterbruch verursachte). Dürfte einen politischen Entscheid werden: alles abtragen oder versiegeln? Meine Hoffnung bleibt, dass im Frühling 2027 alles fertig ist und wir diesen Sommer die nötigen Plätze zur Verfügung haben.»
Jetzt schweifen wir ein bisschen ins Private ab. Du bist ja schon seit ein paar Jahren in Rente, wie geniesst Du Deinen Lebensalltag und hast Du noch spezielle Pläne, welche Du realisieren möchtest (Bucket Liste)?
«Ich treffe mich regelmässig mit ehemaligen Feuerwehr- und FC-Kollegen oder dem «Ziischtigs-Club». Nach einem gesundheitlich schwierigeren Vorjahr freue ich mich auf das gemeinsame Reisen. Im Sommer gehen wir wie jedes Jahr eine Woche Wellnessen und holen später die Reise nach Elba nach. Da ich nicht der Fliegertyp bin, sind keine grösseren Reisen geplant.»
Zurück zum Fussball. Du hast Dich lange Jahre für den Frauenfussball hier beim FC Männedorf eingesetzt. Letztes Jahr fand hier die Frauen-Fussball-EM statt. Wie hast Du sie verfolgt und hatte der «Boom» einen direkten Effekt auf den Frauen-Fussball beim FCM?
«Obwohl ich nicht für die Juniorinnen zuständig bin, weiss ich nicht genau wie sich das bei uns entwickelt hat. Aber allgemein bin ich überzeugt, dass die EM einiges ausgelöst hat und so ein Highlight wie die EM zu Hause werden wir so schnell nicht mehr erleben. Vor allem das Finalspiel war Fussball auf höchster Ebene und ich schaue ab und zu lieber ein Frauenspiel, die Frauen «liegen» weniger…»
Persönlich bin ich nicht gleicher Meinung. Der Frauenfussball hat zwar einen Boom erlebt, aber die Qualität der Spiele (war u.a. live im Stadion) hat mich eher enttäuscht, v.a. auch die Schweizer Nati in der WM-Quali und deren Vorbereitungsspiele.
«Da gebe ich Dir recht, die Intensität bei den Frauen ist natürlich nicht so hoch wie bei den Männern, aber auch bei den Männern ist das zum Teil so. Auch in finanzieller Hinsicht hinken die Frauen «Welten» hinterher. Die Angleichung schreitet jedoch voran, was nicht nur im bezahlten Fussball, sondern auch im Amateurbereich Sinn und Zweck wäre (z.B. Platzbelegung, Trainingseinheiten).»
Bei uns (FCM) gab es im letzten Jahr nicht einen speziell grossen Zulauf, dieser fand jedoch generell in den letzten Jahren statt.
«Das es bei Männedorf nicht einen grossen Zulauf gab, liegt am FCM selbst, denn ich anderen Vereinen sah dies ganz anders aus. Das hängt damit zusammen, dass andere Vereine diverse Events rund um die EM organisierten, was ich bei uns (z.B. Liveübertragung) vermisst habe, trotz unserer Situation mit der Freizeitanlage Widenbad. Ich hoffe es gibt wieder mal, wie früher, einen offenen Trainingstag für alle Frauen, sobald die Anlage steht.»
Ich könnte mir vorstellen, dass die neue Freizeitanlage selbst wieder einen Anziehungspunkt für neue SpielerInnen sein wird. Bin überzeugt, dass Dich auch der Herren-Fussball interessiert, oder? Vom 11. Juni bis 19. Juli findet die Fussball-WM in Kanada, Mexiko und den USA statt. Wie wirst Du die WM verfolgen?
«Ich fliege auf Grund der allgemeinen Weltlage sicher nicht hin, schon gar nicht in die USA. Aber die WM werde ich ganz sicher am TV verfolgen. Dass die Schweiz wieder dabei ist, ist super und wird bei den Jungs vermutlich einen Boom auslösen.»
Wer ist Dein Favorit auf den Weltmeister-Titel und wie schneidet unsere Schweizer Nati ab?
«Das Ziel für die Nati muss sein, die Gruppenphase überstehen und wenn möglich in den ¼-Final einziehen. Als Weltmeister sehe ich am ehesten Spanien, evtl. England.»
Welcher ist Dein Lieblingsverein im In- und/oder Ausland und hast Du einen Lieblings-Spieler oder Spielerin?
«Mein Lieblingsclub seit Jahren ist der FCZ, habe als A-Junior auch dort gespielt. Auch der FC Männedorf liegt mir am Herzen und hoffe wieder Mal auf den Aufstieg in die 2. Liga. Im Ausland bin ich fan von Borussia Dortmund und Liverpool. Ich war früher mit dem FCZ auch öfters bei Auswärtsspielen dabei, u.a. in Liverpool und gegen Real Madrid. Das war eines meiner Highlights. Mein Lieblingsspieler früher war Pele, ein absoluter Ausnahmekönner. Heute ist Kane ein solcher Ausnahmespieler.»
Dies war meine letzte Frage, möchtest Du uns noch was Wichtiges mitteilen, was ich evtl. gar nicht gefragt habe?
«Ich vermisse den Spirit im Gesamtverein und hoffe, dass mit der neuen Anlage und Beiz der Zusammenhalt wieder vermehr wieder stattfindet. Der Wunsch wäre, dass auch die Teams sich Zeit nehmen um nach einem Training oder Spiel zusammensitzen und den Kontakt pflegen.»
Das ist m.E. ein allgemeines Phänomen, bei den Senioren und Veteranen funktioniert das nach wie vor, leider weniger bei den Junioren. Vielen lieben Dank Hansueli für das spontane Interview und Deine Insights. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gueti, vor allem Gesundheit!







