Interview mit Ahmet Vatansever, Trainer ZSU1, vom 13. Mai 2025, welcher sich den Fragen von Pascal Hotz stellt. Das ausführliche Interview kann hier/Audio abgehört werden. Info: Zwischen der Zeit 15:04 und 15:20 wurde ein Teil «zensuriert».
Wir sind hier im «Frohberg», der Sportanlage des FC Stäfa. Aus aktuellem Anlass (dazu später) führe ich, kurz vor dem Training des ZSU1, ein erstes Interview mit dem neuen Trainer, Ahmed Vatansever.
Vielen Dank Ahmed, dass Du Dir kurz Zeit für dieses Interview nimmst. Jetzt möchten wir Dich ein bisschen Kennenlernen, deshalb meine erste Frage: wer bist Du?
“Ich bin 59 und wohne ich Tann bei Rüti.”
Wie steht es um Deinen Beziehungs- resp. Familienstatus?
“Ich bin eingefleischter Single und habe eine 25-jährige Tochter.”
Du hast vor ein paar Monaten den Job als Haupt-Trainer übernommen. Was hast Du vorher gemacht?
“Ich habe davor 1 ½ Jahren nichts gemacht, brauchte eine Pause. Davor amtete ich fünf Jahre bei GC resp. FCZ-Frauen-Nachwuchs und im letzten Jahr als FCZ-Teammanager der 1. Frauen-Mannschaft zusammen mit ex Nati-Trainerin Inka Grings. Dies war eine sehr lehrreiche Zeit, u.a. mit Champions League in diversen Ländern wie Cypern, Bosnien-Herzegowina, England, Frankreich und Italien.”
Übrigens, Dein Name deutet nicht unbedingt auf einen «Eidgenossen» hin, woher kommst Du, bist Du hier aufgewachsen?
«Ich bin ein «getürkter Zürcher, in der Türkei geboren, aber seit 55 Jahren in der Schweiz. Zudem habe ich griechisch-bulgarische Wurzeln auf Grund der Geburtsländer meiner Eltern. Meine Tochter wurde hier geboren. Wir sind also Multikulti und das ist schön so! Ich habe den C-Ausweis und zeige mich lieber charakterlich und mit meinem Verhalten als Schweizer, als auf dem Papier.»
Das Saisonziel lautet selbstverständlich nach wie vor «Ligaerhalt». Jetzt habt ihr letzten Sonntag das wichtige Heimspiel gegen FF Toggenburg mit 3:1 gewonnen und so den Sprung über den rettenden Strich gemacht. Was bedeutet Dir dieser Sieg und erzähl uns ein bisschen über die Emotionen nach diesem Spiel?
“Wir wollen den Ball flach halten, wir sind zwar über dem Strich aber noch nicht über dem Berg. Wir bleiben konzentriert und müssen die beiden letzten Siege nun bestätigen. Das nächste Spiel wird also noch wichtiger (Nachbemerkung: das Spiel gegen SC Schwyz ging mit 0:3 verloren). Die physische Verfassung der Mannschaft ist optimal, habe praktisch keine Verletzte, auch die Motivation ist der hoch. Nun geht’s um die Regeneration und den Fokus wieder auf die Vorbereitung für das nächste Spiel. Athletisch müssen wir in der 1. Liga intensiver sein, Körper betonter agieren und keine Angst haben.”
Du sprichst die Athletik an, war das ein Manko, als Du die Mannschaft übernommen hast?
«Selbstverständlich. Als ich die Mannschaft im Januar übernahm, hatten wir 9 Punkte, an was lag es wohl …?»
Jetzt habt ihr zwei Punkte Vorsprung auf Blue Stars, bei noch fünf verbleibenden Meisterschaftsspielen. Eine Direktbegegnung steht nicht mehr an, dieses Spiel habt ihr 2:1 gewonnen! Wie sieht der Plan bis zum letzten Spieltag am 14. Juni aus?
“Das nächste Spiel ist auswärts in Schwyz. Das Hinspiel ging 0:1 verloren. Wir werden unser Spiel aufziehen, im Pressing cleverer sein, kompakt stehen und ganz wichtig, im Abschluss müssen wir noch besser sein.» (Nachtrag: das Spiel gegen SC Schwyz ging leider mit 0:3 verloren)
Es könnte ja sein, dass am Schluss die Strafpunkte aus gelben und roten Karten über Verbleib oder Abstieg in die 2. Liga entscheidet. Da steht ihr mit 8 Punkten einen (1) Punkt schlechter da als Blue Stars. Hast Du ein Augenmerk darauf oder spielt dieser Gedanke bei Euch keine Rolle?
“Nein, ich habe der Mannschaft gesagt, sie sollen mehr «drauf» gehen und halt mal eine gelbe Karte kassieren. Klar geht’s auch ohne, wir hatten die letzten Spiele auch keine mehr kassiert. Wichtig ist aber, dass wir durch Punkte/Siege auffallen.”
Möchte noch kurz einen Abstecher ins Privatleben machen. Gehe nicht davon aus, dass Du mit diesem Traineramt Dein Einkommen verdienst. Was machst Du beruflich?
“Ist so, bin hauptberuflich Geschäftsführer einer international tätigen Umzugsfirma mit rund 73 Mitarbeitern.”
Danke hierfür, zurück zum Sportlichen. Hast Du selbst aktiv Fussball gespielt? Wenn ja, wo und in welcher (höchsten) Liga und was sind Deine persönlichen Karrieren Ziele im Fussball?
“Ich durfte meine Fussballkarriere in Glattfelden beginnen und bekam mit 12 Jahren schon einen Vertrag. Das war ein Novum damals, jedoch mit der Verpflichtung, ein Jahr in Glattfelden zu bleiben. Mit 13 ging ich zu GC, durchlief die C-, B- und A (Inter)-Junioren, wo ich u.a. mit den B-Junioren Schweizer Meister wurde. Nach den A-Junioren ging ich in die Türkei zu Sakaryaspor (Nati B, Pokalsieger 1988). Ein Jahr später kriegte ich einen Vorvertrag bei Galatasaray Istanbul. Aus verschiedenen Gründen klappte es jedoch nicht, u.a. wegen eines Bandscheibenvorfalles. Aber immerhin konnte ich Nati-B-Luft in der Türkei schnuppern.»
Anfangs Juli geht hier in der Schweiz die Frauen Fussball-EM los. Wie wirst Du dieses Ereignis verfolgen, ist evtl. gar ein Teamausflug zu einem der Spiele vorgesehen?
“Obwohl ich direkten Draht zu Marion Daube (Direktorin Frauenfussball im SFV) habe, ist es ziemlich schwierig für die ganze Mannschaft Tickets zu bekommen. Ins Stadion gehen wir somit nicht, aber sicher einen Anlass bei einem der Public Viewings mit Schweizer Beteiligung organisieren.»
Ist die Türkei auch dabei?
«Ich weiss es gar nicht 😊, interessiert mich nicht, Fokus ist bei den Schweizerinnen.» (Nachtrag: Die Türkei konnte sich nicht qualifizieren)
Wer wird Deiner Meinung nach Europameister und wie stehen die Chancen unserer Schweizer Nati?
«Trotz Spitzen-Trainerin Pia Sundhage mit Trainer-Stationen bei Nationalmannschaften von USA, Schweden und Brasilien, wird es schwierig für die Schweiz. Denke sie werden die Vorrunde nicht überstehen. Spanien wird dank ihrer Spielform, Klasse, Dynamik und Kollektivspiel Europameister.»
Vielen Dank Ahmet für das Spontaninterview, viel Spass beim anschliessenden Training und viel Erfolg für die letzten fünf Meisterschaftsspiele und bleib vor allem Gesund! (Nachtrag: Das Heimspiel gegen AS Gambarogno ging knapp mit 2:3 verloren und so liegt ZSU1 wieder unter dem Strich)






